Wochenblatt, 25.08.2011
Gnade für den „Lieben Augustin“
Der „Liebe Augustin“ in Lindau ist zum Abriss freigegeben. Ein Skandal, wie ein Jurist im fernen Bamberg meint. Das ehemalige Gasthaus steht unter Denkmalschutz. Nun sollen Petitionen an den Landtag bewirken, dass es wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fällt.
ULRICH STOCK
Eigentlich kann Hotelier Dr. Robert Stolze die beiden Gebäude des ehemaligen Gasthauses „Zum lieben Augustin“ jederzeit abbrechen lassen, denn dafür hat ihm die Stadt Lindau bereits Mitte Juli die Erlaubnis erteilt. Auf die Frage, wann er denn von seinem lange erkämpften Recht Gebrauch machen wolle, sagt er schlicht „Ich weiß es nicht“.
Unterdessen hat die Bürgerinitiative „Rettet den Lieben Augustin“ einen letzten Hilferuf gestartet und beim bayerischen Landtag am 10. August eine Petition eingereicht. Wie deren Sprecher, der ehemalige Stadtbauamtsleiter Klaus Burger, gegenüber dem WOCHENBLATT erklärte, werde sich der Petitionsausschuss im Herbst mit der Sache befassen. Die Initiative sei zu diesem Schritt von Dr. Dieter Martin motiviert worden, der bereits zuvor eine eigene Petition abgeschickt hatte. Bei dem Bamberger handelt es sich Burgers Angaben zufolge um den „renommiertesten Fachmann auf dem Gebiet des Denkmalrechts in der gesamten Republik“. Tatsächlich hat Martin nicht nur am Denkmalschutzgesetz maßgeblich mitgewirkt, sondern auch die entsprechenden Gesetzeskommentare verfasst.
Ein Experte also, der in seiner Petition von einer „rechtswidrigen Erlaubnis zum Abbruch der Baudenkmäler“ redet. Die Begründung der Stadt, der Abriss schaffe keinen Präzedenzfall, es handle sich hier um eine „Sondersituation“, sei ein „eindeutiger Beleg dafür, dass die Entscheidung willkürlich erfolgte“. Sie verstoße zudem „gegen das Gleichbehandlungsgebot“.
Ergänzend zur Petition will die Bürgerinitiative an verschiedene Entscheidungsträger (OB Petra Seidl, Regierungspräsident) appellieren, „die Abbrucherlaubnis solange auszusetzen, bis über die Petitionen entschieden ist“. Dass das Ministerium sich zunächst dezidiert gegen den Abbruch ausgesprochen, zuletzt aber die Entscheidung der Regierung von Schwaben mitgetragen hat, kann sich Burger nur damit erklären, dass hier „der hotelierfreundliche FDP-Minister seinen Einfluss ausgeübt hat“.
zurück zur Hauptseite