Andere Zeitungen

Wochenblatt, Ausgabe Lindau, 01.09.2011
Abbruch in Frage gestellt
Bei der Entscheidung für den Abriss des „Lieben Augustin“ in Lindau vermisst das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLFD) eine „eingehende Begründung“.
Nachdem die Stadt Lindau bereits Mitte Juli dem Antrag von Hotelier Robert Stolze, die beiden denkmalgeschützten Häuser in der Ludwigstraße abzubrechen und durch ein neues Gebäude zu ersetzen, stattgegeben hat, meldete sich nun  auch  Bayerns  oberster Denkmalschützer Egon Greipl zu Wort. Man habe die Entscheidung zwar „zur Kenntnis zu nehmen“,  gleichwohl sei dem BLFD „eine eingehende Begründung für diese Abwägungsentscheidung nicht bekannt“. Unabhängig davon besitze die  bereits erfolgte Stellungnahme des BLFD zum Abbruchantrag auch im derzeit laufenden Petitionsverfahren „weiterhin Gültigkeit“, erklärte Greipl auf Anfrage. ust
Wochenblatt, 25.08.2011
Gnade für den „Lieben Augustin“
Der „Liebe Augustin“ in Lindau ist zum Abriss freigegeben. Ein Skandal, wie ein Jurist im fernen Bamberg meint. Das ehemalige Gasthaus steht unter Denkmalschutz. Nun sollen Petitionen an den Landtag bewirken, dass es wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fällt.* weiterlesen
* Anmerkung: So stand es im Wochenblatt. Freudscher Versprecher?

Augsburger Allgemeine / Allgäuer Zeitung, 09.08.2011
Denkmalpflege
Ach, du lieber Augustin!
Eine Bürgerinitiative kämpft gegen den Abriss zweier spätmittelalterlicher Häuser im Lindauer Fischerviertel. Jetzt soll eine Petition an den Landtag helfen.
Von Angela Bachmair

Der „liebe Augustin“ ist nicht nur Held eines Kinderlieds, sondern auch eine Romanfigur, die nach ihrem Erfinder Horst Wolfram Geissler die Lebensfreude des Bodenseeraums verkörpert und es damit zu einiger Berühmtheit brachte. Neuerdings hat die Berühmtheit wenig mit Freude zu tun, und sie findet auch nicht im Roman statt.
Zum „lieben Augustin“ heißt nämlich ein in Lindau bekanntes Lokal, das in einem von zwei benachbarten denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht ist – und diese beiden Häuser sollen abgerissen werden. Der Eigentümer, Hotelier Robert Stolze, will neu bauen – ein größeres Hotel mit Schwimmbad – und hatte für die Planung den bekannten Frankfurter Architekten Christoph Mäckler engagiert.
Kehrtwende des Kunstministeriums
Dem Abriss hat sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege entschieden entgegen gestellt, da die Häuser aus dem 15. Jahrhundert, die zur sogenannten Fischersiedlung gehören, prägend für das Bild der Lindauer Altstadt sind. Auch eine Bürgerinitiative „Rettet den lieben Augustin“ rund um den ehemaligen Lindauer Stadtbaurat Klaus Burger wurde aktiv, blieb aber trotz fast zweijährigen Kampfes letztendlich erfolglos.
Nachdem der Lindauer Stadtrat und Oberbürgermeisterin Petra Seidl vor einem Jahr für den Abriss gestimmt hatten, hat nun in diesem Sommer die Regierung von Schwaben den Beschluss bestätigt. Und das für den Denkmalschutz zuständige bayerische Kunstministerium, auf das die Bürgerinitiative ihre Hoffnungen gesetzt hatte, stimmte kürzlich dem Abriss ebenfalls zu, obwohl es zunächst die Erteilung einer Abbrucherlaubnis ausgeschlossen hatte.
Die Bürgerinitiative will gleichwohl nicht aufgeben und plant eine Petition an den Landtag. Für deren Begründung wurde der renommierte Denkmaljurist Dieter Martin aus Bamberg gewonnen, der auch den Landesdenkmalrat eingeschaltet hat. Die Abgeordneten werden gebeten, die Rechtmäßigkeit der Abbrucherlaubnis zu überprüfen, um den Verlust der Baudenkmale und die Schädigung des Denkmal-Ensembles zu verhindern.
Hinter der Bitte an die Abgeordneten steht der Verdacht, die Kehrtwende im Ministerium habe mit der Nähe der FDP, der Kunstminister Wolfgang Heubisch angehört, zum Hotelgewerbe zu tun. Der Verdacht, den Ministeriums-Sprecherin Susanne Raab nach Anfrage zurückweist, wird auch im Landesamt nicht für abwegig gehalten, zumal dem Hausbesitzer gute Kontakte zum ebenfalls FDP-geführten Wirtschaftsministerium nachgesagt werden.
Mehr als 500 Jahre gebaute Geschichte
Das Landesamt für Denkmalpflege hatte in einem Gutachten nachgewiesen, dass die Modernisierung des Hotels auch ohne Abriss, nämlich in den bestehenden Gebäuden möglich wäre. Beide Häuser stellen wertvollstes Kulturgut dar – nicht nur, weil sie bis in die 1480er Jahre zurückdatiert werden können, sondern auch, weil ihre Fassaden im 19. Jahrhundert biedermeierlich erneuert wurden und weil die 1938 vom Stuttgarter Architekten Paul Volkart geschaffene Innenausstattung bemerkenswert ist. Auch dass in diesem Fall dreierlei Denkmalschichten Zeugnis von der Geschichte ablegen, konnten jedoch Eigentümer und Kommunalpolitiker nicht überzeugen.
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Kommentar (Angela Bachmaier, Augsburger Allgemeine)
Negativer Trend
Der Fall des Lindauer „Lieben Augustin“ steht exemplarisch für einen neuen Trend: Privatinteressen haben immer öfter (und leichter) Vorfahrt vor dem Denkmalschutz. Was sich in Schleswig-Holstein sogar schon in einem Gesetzentwurf niedergeschlagen hat, greift auch in Bayern um sich - zuletzt im Abriss des mittelalterlichen Rosenzweig-Hauses im fränkischen Mühlhausen, das den Plänen eines Bürgermeisters im Wege war. Das im Denkmalschutzgesetz festgeschriebene Allgemeininteresse, das die Erhaltung von historischen Gebäuden mit Zeugniswert vorsieht, wird oft leichtfertig ökonomisch begründeten Investorenplänen geopfert. Ein fataler Trend. Wenn er sich durchsetzt, könnte der Denkmalschutz im privaten Bereich zum Erliegen kommen.
Wochenblatt, Ausgabe Lindau, 15.07.2010
Lieber Augustin: Klare Fronten
Die Stadt Lindau will einem Abriss der denkmalgeschützten Häuser nicht zustimmen. Entscheiden muss jedoch der Stadtrat. Das letzte Wort dürften die Gerichte haben.
Der Streit um den Abriss der denkmalgeschützten Gebäude Ludwigstraße 27 und 29 (ehemaliges Gasthaus „Zum lieben Augustin“) spitzt sich zu, die Fronten sind verhärtet. Kurz vor der entscheidenden Stadtratssitzung am kommenden Dienstag beharren beide Seiten auf ihrem Standpunkt. Auf der einen Seite ist der Lindauer Hotelier Dr. Robert Stolze, der als Eigentümer die Gebäude abbrechen und durch einen Neubau ersetzen lassen will. Auf der anderen Seite ist das Landesamt für Denkmalpflege (LfD), das die historischen Gebäude um jeden Preis erhalten will.
Auch das Bayerische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst vertritt diese Position, weitere Unterstützung kommt von der Aktionsgruppe „Rettet den Lieben Augustin“, die sich vor zwei Jahren angesichts des drohenden Abbruchs gebildet hat.
Ein kurzer Rückblick: Der Bauausschuss hatte im Herbst 2008 zunächst einen Abbruch der Gebäude in Aussicht gestellt. Dieser Beschluss wurde jedoch vom Stadtrat Mitte Februar 2009 auf Grund neuer Zumutbarkeitsbestimmungen ausgesetzt. Gleichzeitig wurde dem Bauherrn aufgetragen, den „planerischen Nachweis der positiven Auseinandersetzung mit der erhaltenswerten Denkmalsubstanz vorzulegen“ und mit dem LfD in einen „konstruktiven Dialog“ einzutreten.
Tatsächlich fanden zwischenzeitlich viele Gespräche statt, unter anderem im Ministerium und bei der Regierung von Schwaben. Diese brachten allerdings keine Einigung.
Unterdessen holte sich Stolze nicht nur Unterstützung von der Münchener Anwaltskanzlei Seufert, sondern ließ sich vom renommierten Historiker Prof. Enno Burmeister ein Gutachten anfertigen. Dieses hätte das Gutachten der Denkmalschützer „praktisch entwertet“ - soll heißen, dass das Gebäude nur noch wenig Substanz aus seiner ursprünglichen Form aus dem 15. Jahrhundert besitze. Bei einer Umgestaltung würde er jedenfalls „nicht das bekommen, was ein Hotelbetrieb braucht“, so Stolze.
Stadtbauamt und Stadtjurist schlagen den Stadträten indessen vor, den Antrag auf Abbruch abzulehnen. Begründung: „Die intensive Auseinandersetzung mit der Gebäudesubstanz im Zuge des konstruktiven Dialoges hat gezeigt, dass eine denkmalgerechte Nutzbarkeit der Gebäude möglich ist.“ Man darf gespannt sein, ob die Stadträte dieser Empfehlung folgen.
"Wochenblatt" vom 22.07.2010, Ausgabe Lindau
Lieber Augustin“: Räte für Abriss
Mit 21:9 Stimmen hat sich der Lindauer Stadtrat am Dienstagabend für den Antrag des Lindauer Hoteliers Dr. Robert Stolze ausgesprochen, die denkmalgeschützten Häuser Ludwigstraße 27 und 29 (ehemaliges Gast­haus „Zum lieben Augus­tin") abzureißen und durch ein neues Gebäude ersetzen zu lassen. Damit fand der Beschluss-Vorschlag der Verwaltung, einen Abriss ab­zulehnen, keine Mehrheit. Auf Vorschlag von Oberbür­germeisterin Petra Seidl wurde allerdings im Beschluss die Klausel „unter dem Vorbehalt der Nachprü­fung durch die Fachauf­sichtsbehörden“ eingefügt. Das Landesamt für Denk­malpflege und das zuständige Ministerium hatten sich im Vorfeld gegen einen Ab­riss ausgesprochen und rechtliche Schritte angekün­digt. Begründung: Der Voll­zug des Denkmalschutzes sei „Staatsaufgabe“, die Stadt könne hier nicht eigen­mächtig handeln.
Wochenblatt, Ausgabe Lindau, 19. Februar 2009
Gnadenfrist für Lieben Augustin _images_ab.gif
Das Haus "Zum lieben Augustin" darf vorerst nicht abgerissen werden. Ein bauwilliger Hotelier muss den "planerischen Nachweis" erbringen, dass er den Erhalt des Baudenkmals hinreichend geprüft hat, beschloss der Stadtrat .
Darüber hinaus sollen Bauherr und das Landesamt für Denkmalpflege "in einen konstruktiven Dialog eintreten". Erst danach wird sich der Stadtrat eine Entscheidung treffen. Hintergrund für den Aufschub ist, dass das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst eine neue, verschärfte Richtlinie zum Vollzug des Denkmalschutzgesetzes erlassen hat.
Bauherr Robert Stolze hatte in einer Voranfrage um die Erlaubnis zum Abriss angesucht. Der Lindauer Hotelier möchte an Stelle der historischen Häuser ein Gebäude mit Hallenbad und Wellness-Bereich errichten.
Stolze betrachtet den "Lieben Augustin" und das Nachbarhaus als "Keil" zwischen seinen drei Hotels "Bayerischer Hof", "Seegarten" und "Reutemann", der sich nicht "sinnvoll" in den Gesamtkomplex integrieren lasse. Niedrige Decken, verwinkelte Wege, Hellhörigkeit, Barrieren, der Einbau eines Aufzugs und die Erfordernisse des Brandschutzes schlössen eine Nutzung als Hotel oder für Wohnungen aus, argumeniert Stolze. Anders sieht das die Aktionsgruppe "Rettet den Lieben Augustin", die sich daraufhin gegründet hat. Klaus Burger, pensionierter Bauamtschef und Sprecher der Initiative, weist auf die historische Bedeutung der Häuser hin, die zumindest in Teilen aus der Fischersiedlung Ende des 15. Jahrhunderts stammen und daher "besonders erhaltenswert" seien. Außerdem bemängelt er, dass Stolze bislang nicht bereit gewesen sei, einen Architekten praktikable Lösungen erarbeiten zu lassen. Ein Abriss schaffe einen Präzedenzfall, der Schule machen könnte.

"O du lieber Augustin, noch ist nicht alles hin" - so ließe sich das berühmte Lied umdichten. Am Dienstag entschied der Stadtrat einstimmig, den Beschluss des Bauausschusses für einen Abriss vorerst nicht zu vollziehen. Dabei geht es genau genommen um zwei denkmalgeschützte Gebäude in der Ludwigstraße auf der Insel, die Nummer 27 ist das "Haus zum Lieben Augustin". Der Stadtratbeschluss ist dehnbar formuliert: "Dem Bauherrn wird aufgegeben, den planerischen Nachweis der positiven Auseinandersetzung mit der erhaltenswerten Denkmalsubstanz vorzulegen."