In eigener Sache

Kommentar von Klaus Burger (Stadtbaudirektor 1975-2002) zum Erlaubnisbescheid der Unteren Denkmalbehörde Stadt Lindau vom 14.07.2011 über den Abbruch des „Lb. Augustin“ Ludwigstr.27 / 29.
Im Erlaubnisbescheid der Unteren Denkmalschutzbehörde Stadt Lindau wird auf die sich jedem Bürger sofort stellende Frage nach dem Aussehen des Neubaus anstelle der beiden abzubrechenden, über 500 Jahre alten Bürgerhäuser, in denen sich die ehemalige Gaststätte „Zum Lieben Augustin“ befindet, wie folgt eingegangen:
Erlaubnisbescheid / Hinweise Ziff. 5
Für den Neubau ist ein externer Berater hinzuzuziehen, um eine angemessene städtebauliche Einbindung und eine hohe architektonische Qualität zu gewährleisten. In Abstimmung mit dem externen Berater und der Stadt Lindau ist eine Aufgabenstellung zu formulieren, für die Architekten mit der nötigen Erfahrung im Umgang mit dem Bauen in historischer Umgebung ausgewählt werden. Die entsprechenden Büros können sich mit einer ersten Entwurfsskizze um den Auftrag bewerben. In Abstimmung mit der Stadt und dem externen Berater ist ein Büro auszuwählen, das mit der Planung beauftragt werden soll. Das Landesamt für Denkmalpflege und die Untere Denkmalschutzbehörde sind beim Neubauvorhaben frühzeitig zu beteiligen.
Bei einem anderen Neubauvorhaben an der Kalkhütte im Bereich des unter Denkmalschutz stehenden Ensembles Insel Lindau hat der Bauausschuss des Lindauer Stadtrates in seiner Sitzung im Mai 2007 fast mit dem gleichen Wortlaut die Neugestaltung des Ersatzbaus der alten Realschule anstelle des ehem. Barfüßerklosters zwischen Seeufer, Kalkhütte und Barfüßerplatz eingeleitet. Zu diesem Zweck wurde auch ein sog. vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufgestellt,  in dem fast sämtliche, seit drei Jahrzehnten in der Ortsgestaltungssatzung geltenden Kriterien aufgehoben wurden. Als externe Beraterin war in diesem Verfahren die in Stuttgart tätige isländische Architektin Frau Jörun Ragnarsdottir für die Stadt Lindau tätig.
Da ich selbst Architekt bin und von 1975 bis2002 maßgeblich die Gestaltung der Insel beeinflussen konnte, möchte ich mich selbst mit Kommentaren zur Baugestaltung zurückhalten. Ich zitiere deshalb lediglich Aussagen über die Vorstellung des Projekts an der Kalkhütte in der Stadtratssitzung vom 23.10.2007, über die in der Ausgabe der Bürgerzeitung (BZ vom 9.11.2007 KW 45) berichtet wurde.

Architektin Jörunn Ragnarsdottir (als Beraterin der Stadt):
Das Architekturbüro von Prof. Kasper hat sich nachweislich intensiv mit der vorhandenen Situation und der schwierigen Aufgabenstellung auseinandergesetzt und in unnachahmlicher Weise eine eigene Handschrift bei der Neugestaltung eingebracht. Die Aufgabenstellung: „Bauen in historischer Umgebung“ hat er auf diese Weise eindrucksvoll und nachvollziehbar umgesetzt. Lindau ist bekanntlich ja im Krieg nicht zerstört worden. Eine Stadt muss sich aber fortwährend weiter entwickeln um lebendig zu bleiben. Durch Stillstand `“vermodert“ sie und durch zu große Eingriffe wird sie verfremdet und verliert sie ihre Identität. Lindau bekommt mit dieser Arbeit die Chance, seine Identität zu bewahren und gleichzeitig den Stadtraum neu zu ergänzen. Diese Architektur tritt in einen interessanten Dialog mit den vorhandenen Bauten und gleichzeitig werden alle anliegenden öffentlichen Räume und Bauten stark aufgewertet Zudem bietet der Entwurf ein hohes Maß an Wohnqualität.

Vertreter des Stadtbauamtes
Auch sie sprechen von einer außergewöhnlich gut gelösten Bauaufgabe. Das Bild der Altstadt sei sehr gut aufgenommen und ideal weiterentwickelt worden. Altanen und Dachterrassen, wie sie das Bild der Insel mitbestimmen, seien vom Projekt detailreichreich aufgegriffen und umgesetzt worden ... Baukörper und Blickbeziehungen stünden in einem idealen Verhältnis. Der Bau gebe den drei öffentlichen Plätzen, „An der Kalkhütte“, „Schulhof mit Promenade“, und dem Barfüßerplatz ein neues, unnachahmliches Gesicht und  eine starke Prägung.

Oberbürgermeisterin Petra Meier to Bernd-Seidl
Sie ist sich sicher, dass sich mit diesem außergewöhnlichen Projekt für Lindau die einmalige Chance bietet, einen neuen, ganz besonderen städtebaulichen Akzent zu setzen. Der Entwurf stellt für sie eine interessante Kombination von zeitgemäßer Architektur und gefühlvollem Charme dar. Der Entwurf verbinde bekannte Stilelemente auf der Insel, wie z.B. die Laubengänge bei der Brodlaube, aber auch die Altanen und Dachgärten mit neuen Elementen zu gleichermaßen intelligenten aber auch architektonisch überzeugenden Baukörpern. Damit werde sowohl den Gefühlen der Lindauer Bürgerschaft, aber auch den Erwartungen künftiger Bürger, die hier eine neue Heimat finden könnten, Rechnung getragen. Kasper habe eine ideale Symbiose aus alten, lieb gewonnenen Elementen und neuem Wohnen gefunden. Damit werde eine Architektur geschaffen, die Lindau noch liebenswerter mache.  

Bezug zum Abbruchantrag „Lb. Augustin“
Architektin Jörunn Ragnasdottir war erneut als sachverständige Beraterin im Auftrag der Stadt Lindau bei den Verhandlungen zwischen Hotelier Dr. Stolze und den Vertretern des LfD tätig, z.B. Bespr. am …)
Das eingangs unter Ziff. 5 der Hinweise im denkmalrechtlichen Erlaubnisbescheid für den Abbruch dieser Gebäude erwähnte weitere Vorgehen für den Neubau anstelle der denkmalgeschützten Gebäude lässt den Schluss zu, dass ein Ersatzbau mit ähnlicher Gestaltung wie die in diesen Wochen kurz vor der Fertigstellung stehenden Fassaden an der Kalkhütte zu erwarten ist.
Anhand dieses Neubauvorhabens kann sich jeder Bürger selbst seine Meinung bilden, ob eine derartige Architektur Lindaus Zukunft darstellen soll.
  
KLAUS BURGER
FISCHERGASSE 19  
88131 LINDAU

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