Leserbriefe

LZ 15.12.2011
Zerstörung wertvoller Bauten
Über das Bild in der Lindauer Zeitung mit dem Kurzbericht vom Abriss des Aeschacher Hofs war ich schockiert. Nach dem Kampf um den Erhalt des „Lieben Augustin“ und dem hässlichen Bau neben dem Chorraum der alten Barfüßerkirche an der Kalkhütte ist es ein weiteres Beispiel einer mutwilligen Zerstörung wertvoller Bauten in unserer „noch“ schönen Stadt. Hinzufügen könnte man die Spielbank und den Lindaupark, die sich auch nicht in die Umgebung einfügen.
Der Aeschacher Hof war das letzte Gebäude eines ehemals schönen Dorfplatzes mit dem Rathaus, der schon vor rund 50 Jahren zerstört wurde. Ich war immer davon ausgegangen, dass der Aeschacher Hof unter Denkmalschutz steht und demnächst einer sinnvollen Einrichtung für die Bürger - Restaurant mit Biergarten - zugeführt wird. Warum ist das nicht geschehen, und warum wurden die Bürger nicht rechtzeitig von der geplanten Abrissgenehmigung informiert?
Ich bitte das Rechtsamt der Stadt, die Bürger über die Zeitung zu informieren, wie diese beiden Vorgänge gelaufen sind - Kalkhütte und Aeschach - und was die Stadt plant, dass solche schmerzlichen Eingriffe in Zukunft verhindert werden. In die Reihe zerstörter wertvoller historischer Gebäude gehört auch die alte Schule in Reutin.
Wilfried Bergmann, Sigmarszell
LZ, 1.12.2011
Das Mahnmal steht
Die freistehende Nordfassade des Lieben Augustin steht nun als Denkmalruine in der Altstadt; Mahnmal der Ignoranz und Inkompetenz der Oberbürgermeisterin und großer Teile des Stadtrats in Sachen Denkmalschutz. Es steht zusätzlich für den irrwitzigen und fast einmaligen Vorgang, dass erst nach Abriss eines Denkmals die Neubauplanung beginnen soll.
Und schon besingen die Täter in hymnischen Versen ihr zerstörerisches Werk. Das ist abstoßend.
Fakt ist: Mit Lobbyarbeit und exzessiver Auslegung des Rechts kann man in Bayern den in der Verfassung verankerten Denkmalschutz aushebeln. Dieses destruktive Signal geht ausgerechnet von der Inselstadt Lindau aus. Ein trauriges Kapitel in der Lindauer Stadtgeschichte.
Maria und Werner Berschneider
LZ, 6.10.2011
Rhomberg-Bau ist Todsünde
Zum „Rhomberg-Bau am Jachthafen Lindau erreichte uns folgender Leserbrief:
Der Umbau der ehemaligen Realschule in den Baukomplex Am Jachthafen Lindau wird in der Objekt-Vorstellung als wundervoller Entwurf hoch gepriesen.
Dieser Meinung bin ich mit anderen Bürgern zusammen absolut nicht, was die äußere Gestaltung anbetrifft.
Wenn man beispielsweise mit dem Schiff von Bregenz nach Lindau fährt, so empfinden viele Bürger diese Architektur als einen Schlag ins Gesicht des historischen Stadtbildes von Lindau. Die ehemals als Gaskessel vielfach geschmähte neue Spielbank ist dagegen noch ein Schmuckstück für diese Insel.
Da die Stadtväter eine solche Architektur an dieser empfindlichen Stelle akzeptiert haben, wundert es mich nicht, dass der historische Liebe Augustin sterben darf. Wann folgt die nächste Todsünde für Lindau?
Georg Maier, Achberg
(siehe Hintergrundinformation)

Lindauer Zeitung, 26.08.2011
Heftig am Ast gesägt
Zum Thema Abriss erreichte uns folgender Leserbrief mit Foto: Der Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes Ludwigstraße 27/29 rückt in drohende Nähe. Soll eine der schönsten Lindauer Gassen bald aussehen wie das Areal um die Kalkhütte (Anm. d. Red.: siehe Foto)? Dieser Abriss wurde vom Lindauer Stadtrat genauso genehmigt wie die Bausünde Yachthafen. In dieser Stadt wird heftig an dem Ast gesägt, auf dem sie sitzt, nämlich an ihrer Einzigartigkeit, was die Erhaltung der Bausubstanz betrifft. Was in anderen Altstädten durch Kriegsschäden und ungünstigen Wiederaufbau in nicht mehr rückgängig zu machender Weise geschehen ist, passiert in Lindau durch Stadträte, Verwaltung und OB. Wir haben zu lange zugeschaut, weil es keiner glauben wollte. In Stuttgart konnte es auch keiner glauben, bis die Bagger kamen.
Christine Hofstetter-Zeller, Lindau
LZ 10.06.2011
Denkmalschützer sind machtlos
Zum Bericht „Lieber Augustin wird abgerissen“; LZ vom 8. Juni: Mit der Entscheidung für den Abriss des Lieben Augustin hat die Politi­ker-Kaste von Stadtrat Lindau über Bezirk Schwaben bis zum Staatsmi­nisterium die Machtlosigkeit der Denkmalschützer drastisch vorge­führt. Dass dieses Signal ausgerech­net von der umfangreich denkmalge­schützten Inselstadt Lindau ausgeht, ist besonders traurig.
Wieder einmal zeigt sich die bru­tale Vorherrschaft der Ökonomie über alle anderen Werte, insbeson­dere über die Kultur. Ein herber Ver­lust für Lindau und den Denkmal­schutz,in Bayern - und ein weiterer Beitrag zur Politikverdrossenheit. Aber auch diese kulturarme Epoche wird irgendwann vorüber sein.
Maria und Werner Berschneider, Wasserburg
LZ 10.06.2011
Die Behörden degradieren sich selbst
Zum Bericht „Lieber Augustin wird abgerissen“; LZ vom 8. Juni: Wofür gibt es eigentlich staatliche Vorschriften, wenn doch jede Stadt sich darüber hinwegsetzen kann?
Die zuständigen Behörden sind keine Institutionen mehr, sondern degradieren sich selbst. Es genügt, dass Frau Seidl und Herr Stolze mit Anwälten zur Regierung von Schwa­ben fahren und dort vorsprechen. Schon wird die Meinung des Landes­denkmalamts außer Kraft gesetzt. Die Regierung von Schwaben wurde endgültig zur Lachnummer, als sie auf Drängen von OB Seidl und Feuer­wehrkommandant Kainz ihre frühe­ren Entscheidungen zum Trenngrün für ungültig erklärt hat.
So wird auf den Denkmalschutz manchmal gepocht, manchmal wird er außer Acht gelassen, wie es der Stadt gerade passt. Naturschutz wird mal hochgehalten, mal mit Füßen ge­treten, je nach dem, ob es um private oder städtische Grundstücke geht. Bürgermeinung zählt nach der Wahl sowieso nicht mehr, egal ob sie sich in Umfragen der Zeitung oder Unterschriftenaktionen kundtut.
Herr Kainz kann seiner Karikatur vom vergangenen Samstag also noch einen Daumen nach unten hinzufü­gen! Ich hoffe nur, dass damit allen Bürgern klar wird, wohin das Schick­sal Lindaus geht: abwärts! Denn in Zukunft kann jeder sein denkmalge­schütztes Haus abreißen und auf grünen Wiesen bauen – es gibt nun ja Vergleichsfälle.
Aber vielleicht wachen Lindaus Bürger endlich auf und wählen bei der nächsten Wahl nicht die Leute, von denen sie „den Namen schon mal gehört“ haben, sondern lieber die Kandidaten, die das vertreten, was sie, die Bürger, sich wünschen!
Doris Müller, Lindau
LZ vom 30.07.2010
Grinsen auf dem sinkenden Schiff
Das Foto in der Lindauer Zeitung spricht Bände. Es zeigt den Teil der Seehafenbebauung, der auch schon vor dem geplanten Abriss des Lieben Augustin“ schwer malträtiert wurde: Am rechten Bildrand das (noch) be­stehende Hotel Seegarten mit den neu gepflanzten Magnolien. Die alten Bäume wurden vor circa fünf Jahren (ohne Genehmigung?) abgeholzt. Im Vordergrund ein garagenähnlicher Container – die Stolze'sche Eisbude. Links der 1965 entstandene Hotel­neubau, der das kleine rosa Bieder­meierhaus schwer zu bedrängen scheint.
Schließlich geht es um den Abriss dieses Gebäudes und nicht lediglich um den einer seit Jahren stillgelegten Weinstube mit sehr deutschem Ein­schlag. Zitat aus einem Lindauer Mund: In den lieben Augustin geht schon lange keiner mehr rein, und das Haus in der Ludwigstraße ist scheußlich renoviert, warum sollte man das denn nicht abreißen dürfen?“ Leider ist das nicht Volkes Stimme allein, son­dern auch Meinung der Stadtrats­mehrheit und des Stadtoberhauptes. Das Lindauer Provinz-Kulturprojekt bringt die Situation schmerzhaft auf den Punkt: Ein sinkendes Schiff, aber trotzdem wird gegrinst. 
Christine Hofstetter-Zeller, Lindau

Lindauer Zeitung, 27.07.2010
Der Peinlichkeit kein Ende
Frau Meier to Bernd-Seidl als Rechts­brecherin? Eine Amigoriege namens CSU mit dem Appendix von FB und Oberhandwerksmeister, der seinen Maleraufträgen per Beugung eindeu­tiger Gesetzeslage näher kommen will.
Über wen soll man da noch mehr den Kopf schütteln? Über die Fenster­redner wider besseres Wissen aus dem Rathaus, oder über den Antrag­steller, der in schon praktizierter Holz­fällerart Lindau um ein stolzes Kuriosum bereichert? Auch der Augustin'sche Kommentar wird in seiner Ahnungslosigkeit nur noch von den falschen zitierten Fakten übertroffen. Ein Trauerspiel.
Michael Zeller, Lindau
Lindauer Zeitung
Nein zum Abriss des „Lieben Augustin“
Teile der Stadtverwaltung und des Stadtrates liefern immer wieder den Beweis für fehlende Sensibilität gegenüber der Natur, dem Stadtbild und der baulichen Entwicklung: Beispiele hierfür gibt es zuhauf, als da sind unter anderem:                       
Abriss des alten Rathauses in Aeschach, heute wäre es eine Sehenswürdigkeit für die Touristen. Rodung einer ganzen Busch- und Baumreihe im Strandbad Eichwald wegen eines Rockkonzertes. Überzug des alten Pflasters am oberen Schrannenplatz mit einer Asphaltdecke und so Zerstörung des historischen Gesamteindrucks.; Baugenehmigung für, die Firma Tanner unterhalb des Schönbühls. Verschandelung der Oskar-Groll-Anlagen durch das Baumonstrum Spielbank, genannt „Gaskessel“. Verschandelung des Ortsteils Schachen durch ein, nennen wir es mal Gebäude mit dem Spitznamen „Alcatraz“. Jetzt als Gipfel des Ganzen die Genehmigung für den Abriss des „Lieben Augustin“.
Es ist ein altes Leiden: Maßgebliche Leute in der Verwaltung und der Stadtrat selbst schaffen es nicht, Bauherrn und deren Wirtschaftsinteressen auch mal ein klares Nein entgegenzusetzen, wenn es denn sein muss. Naturschutz und Denkmalschutz- werden gnadenlos übergangen. Sei es, weil wie im FalI Tanner damit gedroht wird, woanders hinzugehen, was bezweifelt werden darf. Sei es, wie im Fall Stolze, wo diverse Gutachten präsentiert werden und von nicht ausreichender Wirtschaftlichkeit die Rede ist. Der Stadtjurist liefert in einer Art vorauseilendem Gehorsam gleich noch ein passendes Gerichtsurteil, so dass unseren bedauernswerten Stadträten nichts anderes übrig bleibt, als sich „schweren Herzens“ den Wünschen der Firma Stolze zu beugen. Jetzt frage ich die Stadträte: Wo sind wir denn? Wer gibt hier eigentlich den Ton an? Haben Sie noch das Sagen? Sind Sie sich denn nicht bewusst oder wollen Sie es nur nicht wahrhaben, dass Sie mit solch unglückseligen Entscheidungen immer wieder Teile eines über Jahrzehnte, teils sogar über Jahrhunderte gewachsenen harmonischen Stadtbilds und der Natur auf Dauer zerstören? Um in Zukunft dem Druck von egoistischen Wirtschaftsinteressen standzuhalten, empfehle ich einen mentalen Fitnesskurs. Dort lernt man, wenn’s eng wird den Rücken gerade zu harten und auch mal den Köpf zu schütteln, statt zu nicken. Pobieren Sie's aus; hoffentlich hilft es. In diesem Sinne: Alles Gute im Jahr 2009.
Herbert Küchenbäcker, Lindau
Lindauer Zeitung
 „Besucher lieben den Charme des Alten“
Unsere Stadt wurde im Krieg nicht zerstört. Es ist aIIes heil geblieben, welch ein Glück. Aber warum muss das jetzt  von Menschenhand gemacht werden? Warum hat ein „Mensch von Welt“ das Recht und die Genehmigung, etwas Schönes zu zerstören? Ein hoch angesehener Bürger unserer Stadt hat die Genehmigung bekommen, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude „Lieber Augustin“ abzureißen. Ein Haus, das Geschichte schriebe, ein Buch, das den Titel dieses Hauses trägt. Zählt nur das Geld? Das Neue? Das Moderne? Warum kommen die Gäste nach Lindau? Wegen der alten Stadt mit ihrem Charme und nicht wegen der Neubauten und hochmodernen Gebäude. Wenn ein kleiner Mann dieses Anliegen vorgebracht hätte, hätte man ihn nicht mal angehört. Ich hoffe, diese Aktion mit diesen Meinungen, Stellungnahmen und Widersprüchen für dieses Vorhaben spricht für das „Schöne“ und nicht für die „Macht des Geldes“.
Margit Saile, Lindau
Lindauer Zeitung, 27.07.2010
Zuckt es in der Gewissensregion?
Oh du lieber Augustin - alles ist hin!
So, nu wird er also abgerissen, oder doch nicht? Entscheidungen über Entscheidungen die unser, so­wieso überforderter Stadtrat, nicht fällen kann. Einerseits gibt es die Vet­ternwirtschaft und auf der anderen Seite das öffentliche Interesse, und nicht zu vergessen, die Meinung des Landes Bayern zum Thema Denkmal­schutz.
So auch im Falle Denkmalschutz und Anwesen Lieber Augustin.
Hochrangige Personen im Stadt­rat (man will hier keine Namen nen­nen, das hat die LZ bereits getan) sprechen sich für einen Abriss aus und somit für einen Niedergang eines ge­schichtlich prägenden Hauses, in der Inselstadt Lindau. Von der Option, dieses zu renovieren und neu zu ge­stalten mal abgesehen, ist man schlichtweg zu müde, eine Einigung zu finden, dieses zu erhalten.
Nein, man geht den bequemen Weg und stimmt dem zweifelhaften Hausherrn zu und genehmigt den Ab­riss, da besagter Hausherr ja seinen Standard als Fünf-Sterne-Hotel halten muss, um zu überleben. Man gestatte mir, dass ich verhalten lächle.
Brauchen wir das denn über­haupt? Ein Zimmer, das vermutlich an die 300 Euro pro Nacht und Tag kos­tet, nur weil in dem engen Eck des heute bestehenden Augustins ein Hal­lenbad (oder sonst eine Luxusvorrich­tung) eingebaut wurde? Gar ein Schlammbad oder eine Massage­ecke?
Ist es uns das wert? In diesem klei­nen, eckigem und verwinkeltem Et­was, was sich ein geschichtliches Ho­tel und ein erstes Haus vor Ort, vor - ja ich sprech es aus - hunderten von Jah­ren nannte?
In unserer Inselstadt wird an ver­schiedenen Ecken und alten Häusern gekämpft und gerungen, damit das Altertümliche erhalten wird, und der Denkmalschutz wird immer bis aufs äußerste eingesetzt und ausgereizt. Aber sobald die Stadt selber die Finger im Spiel hat, ist alles möglich!
Als bestes Beispiel sei der Bau am Alten Schulplatz genannt. Hier soll ein neues Hotel entstehen (schon wieder eines). Denkmalschutz hin oder her, die Bauherren halten sich dran, aber die Stadt Lindau macht Auflagen und fordert einen Notausgang und lässt an ein Jahrhunderte altes Haus eine neumodische und wirklich hässliche Treppe anbringen, würde ich das für mein denkmalgeschütztes Haus for­dern, würde ich der Stadt verwiesen.
Des weiteren sei der Bau am Yachthafen beäugelt. Hier wird ein Schulhof komplett zugebaut. Wo bit­te sollen die Kinder ihre Pause abhal­ten? Ich bin schon gespannt, was die neuen Mieter sagen, wenn die Kinder in ihrem Garten rumrennen. Nicht nur das, bei den Abrissarbeiten wurde zu­erst ein altes Kloster gefunden, dann ein Friedhof, beides vermutlich über 600 Jahre alt, aber weit gefehlt, dass da jemand an Denkmalschutz auch nur ansatzweise denkt! Da wird kurz ein Beauftragter geschickt, der sich die Knochen anschaut, und dann wird fröhlich weiter gebuddelt.
Liebe Stadt Lindau, respektive die Herren und Damen in besagten Äm­tern - merkt Ihr was? Zuckt es in der Gewissensregion Eurer Hirne?
Da kann ich als Normalo-Bürger ja nur annehmen: Gut, es ist soweit, ich darf mein bis dato denkmalgeschütz­tes Haus umbauen, wie ich will und mir der Hut steht. Scheiß auf original Holzfenster und geschützten Putz und Farbe, ich mach mir grüne Fens­ter und streich mein Haus Rosa!
Danke, ich habe fertig!
Thomas Hermann, Lindau
Lindauer Zeitung, 26.07.2010
Die Stadtrats-Debatte zum Thema "Lieber Augustin" war gekennzeichnet von einer Mischung aus kindischem Trotz (Tenor: von denen in München lassen wir uns nichts sagen) und Beflissenheit gegenüber dem Hotelbetreiber. Hinzu kommt ein aus rechtlicher Sicht grenzwertiges Verhalten der Oberbürgermeisterin, die es fertigbrachte, sich sozusagen in zwei Personen aufzuspalten: hier die Chefin der Verwaltung, die nicht anders kann, als den Abrissantrag abzulehnen, dort die Politikerin und Schiffslenkerin, die stramm den Kurs der CSU-Titanic hält. Bloß, der Eisberg (in Form einer blamablen juristischen Niederlage) denkt nicht ans Verschwinden. Eine Minderheit von Ratsmitgliedern hat dankenswerterweise auf das drohende Desaster hingewiesen.
Das Verhalten der 21 "Aufrechten" ist insofern irrational und überflüssig, als es nicht Sache der Stadt Lindau sein kann, den Rechtsstreit stellvertretend für den Bauwerber zu führen. Der Antragsteller muss klagen, wenn er sein Recht nicht gewahrt sieht. Sachargumente des Denkmalschutzes und der Abrissgegner kamen so gut wie gar nicht zur Sprache oder wurden kurzerhand vom Tisch gewischt. Anstatt dessen übernahm man 1:1 die Positionen des Hoteliers. Inwiefern ein Hallenbad für den Status eines 5-Sterne-Hotels erforderlich ist (nämlich gar nicht), wurde ebenso wenig hinterfragt, wie die Behauptung, das Bad sei an keiner anderen Stelle des riesigen Hotelkomplexes unterzubringen. Von viel grundlegenderer Bedeutung ist ohnehin die Frage, ob das Wohlergehen einiger gutbetuchter Hotelgäste und eines Hoteliers schwerer wiegt als die Erhaltung eines in Jahrhunderten gewachsenen Stadtbildes, wegen dessen besagte Hotelgäste ja nicht zuletzt überhaupt nach Lindau kommen. Ob es die drei Hotels in 30 oder 50 Jahren noch geben wird, und wofür die Gebäude dann genutzt werden, steht in den Sternen. Die Häuser Ludwigstraße 27 und 29 wären dann aber verschwunden und durch eine potemkinsche Disneylandfassade ersetzt. Ich kann den Lindauer Bürgern nur empfehlen, sich dem Verhalten der Ratsmehrheit zu widersetzen.
Michael Maier, Lindau 
Lindauer Zeitung
Stolze soll auf Abbruch verzichten
Meiner Meinung nach würde Herr Dr. Stolze sich und der Stadt Lindau einen großen Dienst erweisen, wenn er von sich aus auf die Abbruchgenehmigung seiner beiden denkmalgeschütz­ten Häuser verzichten würde. Darin lä­gen aus meiner Sicht mehrere Vor­teile: Weitere Beschädigungen des Rechtsbewusstseins (Gleichheits­grundsatz) vieler Bürger würden ver­mieden. Das Ansehen der an dieser Entscheidung beteiligten Personen würde nicht weiter beschädigt.
Herr Dr. Stolze würde durch einen solchen Schritt wesentlich zu einem konstruktiven, friedlichen Miteinan­der demokratisch denkender Men­schen in und um Lindau beitragen. Mit kreativen und innovativen Architek­ten, die sowohl dem Denkmal als auch den Hotelanforderungen gerecht werden, ließe sich das Herz des Hotel­komplexes sicherlich auch gut und ge­winnbringend vermarkten.
Darüber hinaus gibt es Werte, die nicht käuflich und damit unbezahlbar sind, wie der Erhalt, die Pflege und die Integration von Denkmalen. Sie ver­körpern einen Teil unserer Geschichte.
Maria Berschneider, Lindau
Lindauer Zeitung, 20.07.2010
Eigentum verpflichtet“
Wieder mal und immer wieder liest man in diesen Tagen: Die Räte strei­ten.
Eine Frage dazu an die Räte, habt Ihr keine Fähigkeit, einfach mal den kleinsten gemeinsamen Nenner zu su­chen und darauf aufzubauen? Seid Ihr einfach nicht mehr konsensfähig? Oder wollt Ihr etwa vorgezogene Neuwahlen, weil Ihr gegen den heili­gen Grundsatz seid. Nämlich für die Menschen und nicht auf Kosten der Menschen, die Ihr vertretet, da zu sein. Eigentum verpflichtet. Also ent­scheidet, ob nun Augustin oder Lind­auer Fruchtsaft, entscheidet endlich mal weise im Sinne für Lindau.
Aber was mich an dem Artikel am meisten wütend gemacht hat, war ja was anderes. Da besitzt ein Unterneh­men ein denkmalgeschütztes Gebäu­de und hat dann noch nicht mal den Anstand, gemeinsam mit dem Stadt­rat eine sinnvolle Lösung zu finden. Und will, egal wie, so klingt es einfach heraus, auf Teufel komm raus noch mehr Geld vom Denkmalschutz.
Ich habe mal in einem Gesetzes­text gelesen, Eigentum verpflichtet, daran sollte sich auch die Herren Stol­ze halten. Denn auf der einen Seite möchte man den Augustin abreißen, aber ja der Bahnhof, das größte Ver­kehrs- und Entwicklungsproblem in Lindau, soll nach dem Herrn Stolze auf der Insel bleiben. Ich. kann nur an alle Seiten appellieren: Bewegt euch endlich, sonst ist für Lindau der Zug früher abgefahren als Ihr denkt. Die Nachbarn warten schon auf die Fehler unserer Insel.
Stefan Raabe, Lindau
Lindauer Zeitung, 13.02.2009
Zum Bericht Denkmalschützer halten Abriss für illegal"; LZ vom 11. Februar:
Abriss würde alle Dämme öffnen
Die Botschaft der versammelten Denk­malschützer und Heimatpfleger aus München, Augsburg und Lindau konnte deutlicher nicht sein. Der ge­plante Abriss des „Lieben Augustin“ ist durch nichts begründbar, gar rechts­widrig. Ginge das Vorhaben durch, brächen beim Denkmalschutz in Lindau und bayernweit die Dämme.
Mutig und klar bekannte auch Lindaus Ortsheimatpflegerin Dr. An­gela Heilmann ihr Nein. Sie offenbarte ferner Befremdliches: Die Stadt Lindau unterließ es, Frau Heilmann vor dem Bauausschussbeschluss anzuhören, was verpflichtend gewesen wäre. Of­fenbar wollte die Stadt Lindau dem vo­raussehbaren Widerstand aus dem Weg gehen. Ein Rechtsverstoß!
Pikant dabei: Frau Heilmann ist eh­renamtlich  Ortsheimatpflegerin, wurde dazu einst von der Stadt beru­fen, hauptberuflich steht sie als Kultur­amtsleiterin in Diensten der Stadt. Eine wenig glückliche Konstruktion, schon gar nicht unabhängig. Aus Protest ge­gen die grobe Brüskierung durch die Stadt sollte sie ihr Ehrenamt niederle­gen. Vermutlich ist der Abbruchbeschluss schon allein aus diesem Grund rechtsfehlerhaft und gesetzeswidrig. Das Vorgehen der Stadt Lindau schreit geradezu nach einer aufsichtsrechtli­chen Prüfung durch die Regirung von Schwaben oder durch das Staatsminis­terium des Innern.
Parallelen sind nicht zu übersehen. 1979 wurde der Landschaftsschutz auf dem Wäsen ausgehebelt, um eine Massivbebauung zu ermöglichen. Das Unglaubliche scheiterte an der empörten Lindauer Bürgerschaft. Damals traf es den Landschaftsschutz, heute ist der Denkmalschutz die Zielscheibe. Auch heute ist der Zorn in Lindau be­reits stark vernehmbar. Die Stadträte sollten es bedenken.
Ich erwarte von den Lindauer Landtagsabgeordneten Leopold Herz, Ulrike Müller (beide Freie Wäh­ler), Eberhard Rotter (CSU) und Adi Sprinkart (Grüne), dass sie den exem­plarischen Fall auf die höchste politi­sche Bühne bringen. Der bayerische Landtag darf nicht schweigend zuse­hen, wie in Lindau und folgend im ganzen Bayernland der Denkmal­schutz zu einem Torso gerät.
Erich Jörg, Lindau
Lindauer Zeitung, 24.01.2009
Unternehmer pfeift auf Baudenkmäler
Die Anzeige „Ersatz des Lieben Augus­tin“in der LZ vom Donnerstag, 15. Ja­nuar, zwingt mich zu folgenden Fragen: Herr Dr. Stolze schreibt: „Die ableh­nende Haltung" auf „eine mündlich An­frage beim Bauamt“ließ ihn 1996 vom Antrag auf eine Abrissgenehmigung verzichten. Jetzt schreibt Dr. Stolze - also 13 Jahre später - von einer „zuneh­menden Baufälligkeit der beiden Ge­bäude“Meine Frage: Hat Herr Dr. Stolze diese Gebäude absichtlich verfal­len lassen, um dem Denkmalschutz ein Schnippchen zu schlagen?
Ist es richtig, dass die Mitglieder des Bauausschusses von Herrn Dr. Stolze eingeladen waren, die Gebäude in Au­genschein zu nehmen? Und dass sie dann bei dieser Einladung Zustimmung zu Herrn Dr. Stolzes Vorhaben erteil­ten? Ist es darum richtig, dass der Bauausschuss bei seiner Abstimmung am 4. Dezember bereits festgelegt war und gar nicht mehr anders stimmen konnte? Allen Mitgliedern des Bauausschusses muss die Frage gestellt werden: Wieso haben sie nicht zusätzlich zu der Vor-Ort-Beratung mit Herrn Dr. Stolze auch einen Vor-Ort-Termin mit einem Vertreter des Landesamtes für Denkmalschutz durchgeführt?
Wenn Herr Dr. Stolze über die Fas­sadengestaltung schreibt, „dass dies in Abstimmung mit der Stadt Lindau erfol­gen soll“ frage ich: Steckt die denkmalpflegerische Substanz der Häuser Lud­wigstraße 27 und 29 nur in der Fassade, oder geht's nicht auch um Innenräume? Soll hier nach dem Abbruch historische Substanz vorgegaukelt werden?
Ist mein Fazit richtig? Ein Unterneh­mer, der seine Geschäfte in einer von Baudenkmälern geprägten Stadt ge­rade auch wegen diesen macht, pfeift selber auf die Denkmäler.
Hermann Hörger, Lindau
Lindauer Zeitung, 22.01.2009
Zum Streit um den Lieben Augustin":
Es gibt den Gleichheitsgrundsatz“
Die Tatsache, dass ein Altstadthaus baufällig und wenig alltagstauglich ist, war für die Baubehörden bisher kein Grund, eine Abrissgenehmigung zu erteilen. Hatte der Hausbesitzer auch noch das Vergnügen, ein denkmal- oder ensemblegeschütztes Gebäude sanieren zu wollen oder müssen, konnte er sich auf langwieriges Gehakel mit Bauamt, Denkmalamt und Bauausschuss einstellen, was oft eine Verzögerung, Verkomplizierung, Ver­teuerung, Einstellung oder Ableh­nung des Vorhabens zur Folge hatte. Lindauer Bauherren können davon ein Lied singen.
Wenn in Zukunft jeder - denn es gibt den Gleichheitsgrundsatz - so ver­fahren darf wie im Falle „Lieber Au­gustin", kann man in Lindau bald ein anderes Lied anstimmen: „Ach, Du lie­ber Augustin, alles ist hin".
Christine Hofstetter-Zeller, Lindau.
Lindauer Zeitung, 20.01.2009
zur anhaltenden Diskussion um den  geplanten Abriss des Gebäudes Lie­ber Augustin": .
Romantik-Hotel hätte Bestand
Auch wenn es sich hier um zwei alte Häuser handelt, mit all ihren Ecken und Kanten und unterschiedlichen Ebenen und sicher nicht zeitgerecht für einen modernen Hotelbetrieb, so befinden sich die Häuser in einem his­torischen Stadtkern, der gerade aus diesem Grund Gäste aus aller Welt fas­ziniert. Gegenüber auf der anderen Straßenseite in der Ludwigstraße schmiegen sich die alten Fischerhäuser zu einem harmonischen Ensemble zu­sammen.
In vielen Städten mit historischer Geschichte werden gerade Hotels in solch einer Lage als „Romantik-Hotels" ausgewiesen. Der Gast nimmt dafür gern unterschiedliche Ebenen und lange Gänge zu seinem Zimmer in Kauf. Mit Sicherheit hat hier zwi­schen den First Class-Hotels „Bayeri­scher Hof" und „Reutemann" ein Ho­tel im Romantikstil, nach Modernisierung innerhalb den Mauern Bestand, ohne dass die Häuser abgerissen wer­den müssen.
Ich sehe noch ein ganz anderes Pro­blem auf die Bebauung der Insel zu­kommen: die Bebauung der „Hinteren Insel". Begehrlichkeiten sind angemel­det, Pläne existieren bereits. Wenn hier und jetzt im historischen Inselkern Ab­risse genehmigt werden und Neubau­ten entstehen, wird es für Insvestoren ein leiaites Spiel sein, die Hintere Insel einer kunterbunten Planung auszuset­zen, sie haben das beste Argument durch den Abriss im denkmalgeschütz­ten Altstadtkern in der Hand.
Inge Graf, Lindau
Lindauer Zeitung, 17.12.2008
Zum LeserbriefLieber Augustin muss erhalten bleiben“; LZ vom 16. Dezember.
Denkmalschutz mit zweierlei Maß
Selten habe ich einen so hervorragend geschriebenen Leserbrief gelesen! Was soll aus der Insel nur werden, wenn ein Herr Dr. Robert Stolze eine Sonderbehandlung hinsichtlich eines denkmalgeschützten Hauses dahin­gehend erhält, dass er es sogar abrei­ßen darf, obwohl hier sicherlich kein Handlungsbedarf zum Beispiel wegen Einsturzgefährdung besteht. Der Hauseigentümer auf der gegenüber­liegenden Seite hat in jahrelanger mühseliger Arbeit sein kleines Häus­chen wieder hergerichtet und nun soll ein anderes Kleinod in derselben Straße einfach so abgerissen werden? Einem Hauseigentümer in der Zwanzi­gerstraße wurden Probleme bereitet, als er andere Fenster eingebaut hatte, obwohl dieses Haus nicht so alt ist wie der „Liebe Augustin". Wird Denkmal­schutz in Lindau mit zweierlei Maß ge­messen???
Bettina Natter-Kollmuß, Achberg
Lindauer Zeitung, 16.12.2008
„Lieber Augustin“ muss erhalten bleiben
Taktisch gut vorbereitet, hat der Hote­lier Robert Stolze mit Einzelbearbei­tung die zehn Bauausschussmitglie­der, samt OB Petra Seidl. dazu ge­bracht, einen Beschluss zur Genehmi­gung des Abbruchs der unter Denk­malschutz stehenden Gebäude Lud­wigstraße 27 und 29 (Lieber Augus­tin) zu fassen. Auch der Zeitpunkt un­mittelbar vor Weihnachten war gut gewählt, denn da hat der Bürger an­deres im Kopf, als über die Folgen ei­nes derartigen Vorgehens nachzu­denken.
Zur Ausführung dieses Beschlus­ses darf es jedoch nicht kommen, denn das wäre der Anfang vom Ende der historischen Inselstadt Lindau. Keiner der zahlreichen Bürger, die in den vergangenen Jahren ihre unter Denkmalschutz stehenden Gebäude mit großem Engagement und finan­ziellem Aufwand saniert und damit er­halten haben, hätten Verständnis da­für. Sie müssen es geradezu als schal­lende Ohrfeige empfinden, wenn zu­gunsten des größten Hoteliers gerade das geopfert würde, was Lindaus Alt­stadt erhält: der Denkmalschutz!
Der Vollzug des Beschlusses würde bedeuten, dass genau der Ast angesägt wird, von dem gerade auch dieser Betrieb in besonderem Maße abhängig ist. Die Hotelgäste kommen sicher nicht, weil er ein gut geführtes Haus hat, sondern weil sein Hotel in­tegrierter Bestandteil eines komplett erhaltenen Altstadtensembles auf ei­ner Insel ist, wie sie in dieser Geschlos­senheit in Europa nur noch sehr selten existiert. Wenn man nun gerade die­sem Betrieb den Tribut erlässt, den die Erhaltung dieser historischen Bausub­stanz ganz einfach erfordert, dann misst man mit zweierlei Maß.
Vor allem ist es völlig unverständ­lich, dass diesem Abbruchantrag pau­schal zugestimmt wird ohne genaue Prüfung, ob dies für die vom Betrieb beabsichtigten Verbesserungen nicht auch unter Erhaltung zumindest von Teilen der historischen Bausubstanz möglich ist. Denn eines ist sicher: Die verbesserte Anbindung der beiden Hotels Reutemann und Bayerischer Hof wäre möglich auch unter Erhal­tung der Gebäudeteile entlang der Ludwigstraße. Dies ist allerdings mit einer Einbuße für zusätzliche Verkehrsflächen verbunden, und die Er­höhung eines neuen Gebäudes um ein weiteres Geschoss entlang der Ludwigstraße müsste entfallen.
Sollte auch der Stadtrat den Abbruchbeschluss festhalten, so ist es dringend erforderlich, dass enga­gierte Bürger, die dieses Stadtdenk­mal in seiner bis heute überkommenen Form erhalten wollen, sich zu einer Aktion zusammenschließen, um diesen Schatz auch für die kommenden Generationen zu retten.
Dass dies möglich ist, zeigt das Beispiel eines durchaus vergleichbaren Bebauungsplanverfahrens in der Gemeinde Gmund am Tegernsee. Dort wollte der Münchner Investor Schörghuber mit Unterstützung des gesam­ten Gemeinderats das unter Denk­malschutz stehende Gut Kaltenbrunn zu einem Luxushotel umbauen. Nach mehreren gegen dieses Vorhaben ver­lorenen Verwaltungsgerichtsverfah­ren und ebenso einem Bürgerent­scheid hat es die Schutzgemeinschaft Tegernseeer Tal über eine Popular­klage geschafft, das ganze Verfahren zu Fall zu bringen.
Der Bayerische Verfassungsge­richtshof als höchste Gerichtsinstanz hat das Projekt des Münchner Unter­nehmers wegen Missachtung der Belange des Denkmalschutzes und des Willkürverbots als Verstoß gegen die Bayerische Verfassung in der geplan­ten Form verworfen.
Ein ähnliches Vorgehen wäre in Lindau jedoch vermeidbar, wenn be­herzte Bürger aufstehen, um dem Stadtrat noch rechtzeitig die Augen zu öffnen.
Klaus Burger, Lindau