Zeitungs-Anzeige des Hoteliers Dr. Stolze

Ersatz des „Lieben Augustin“

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Die jüngsten Geschehnisse rund um die Genehmigung des Bau­ausschusses für die Abtragung der Gebäude Ludwigstraße 27 und 29 zwingen mich, mit diesem Schreiben an die Öffentlich­keit zu gehen, um ganz offensichtlich fehlende Informationen zu liefern.

Die Häuser Ludwigstraße 27 und 29 sind 2 zusammen gewachse­ne Gebäude, die zwischen die Hotels Bayerischer Hof und See­garten nahtlos eingefügt sind. Sie sind seit Jahren praktisch unge­nutzt, stellen eine Blockade für den gesamten Hotelbetrieb dar und verhindern dessen Weiterentwicklung.

Das ganze Anliegen ist im Übrigen nicht neu. Bereits im Jahr 1960 forderte die Stadt Lindau - damals vertreten durch Herrn Stadtbaudirektor Haller – eine Gesamtplanung für das Ensemble Reutemann/Seegarten/Bayerischer Hof vorzulegen. Entspre­chende Pläne wurden erstellt, in denen die beiden zur Diskussion stehenden Häuser durch einen Verbindungsbau ersetzt wurden. Dies zeigt, dass die Stadt Lindau sich bereits vor 48 Jahren vor­stellen konnte, diese beiden Gebäude abzutragen.

Im Jahr 1996 wurde eine mündliche Anfrage beim Bauamt den Stadt Lindau und dem Denkmalamt auf Ersatz der Gebäude ge­stellt. Die ablehnende Haltung in Verbindung mit damals noch drängenderen Projekten führte zunächst zu einer Vertagung des Anliegens.

Die Notwendigkeit, unseren Betrieb an die Gästebedürfnisse an­passen zu können, gekoppelt mit der zunehmenden Baufälligkeit der beiden Gebäude, führte zu Beginn des Jahres 2008 zu einer Wiederaufnahme des 1996 begonnenen Projektes.

Um die beiden Häuser in den Hotelbetrieb integrieren zu können, ist es notwendig, 4 Gebäude höhenmäßig in Einklang zu bringen: Das Hotel Bayerischer Hof, die Ludwigstraße 27 und 29 sowie das Hotel Seegarten. Dies ist in Anbetracht der erheblichen Höhenunterschiede der Geschosse nicht so umsetzbar, dass eine adäquate Hotelnutzung möglich ist.

Einer Nutzung außerhalb des Hotelbetriebs mit Wohnungen oder ähnlichem stehen zum einen die Einschränkungen infolge des umgebenden Hotelbetriebes und zum anderen die vollkom­men ungenügende Belichtung und Belüftung großer Gebäudetei­le im Wege.

Diese besonderen Randbedingungen ergeben eine Einzigartig­keit der Situation, die andernorts nicht so vorzufinden ist.

Von Anfang an wurde Herr Klaus Burger von mir als Berater hinzugezogen, um das Verfahren möglichst effektiv zu gestalten. Herr Burger zeigte sich interessiert, wohl wissend, dass für uns nur ein kompletter Ersatz der Gebäude sinnvoll ist. Zu keinem Zeitpunkt äußerte er, dass er sich nicht mit der Abbruch der Ge­bäude identifizieren kann. Hierzu fanden mehrere Gesprächster­mine in unserem Hause im Beisein unseres Architekten statt, der bezeugen kann, welche Position Herr Burger während der Zeit vor der Entscheidung durch den Bauausschuss einnahm.

Er selbst gab mir den sehr sinnvollen Rat, den Mitgliedern des Bauausschusses möglichst an Ort und Stelle die Probleme darzu­legen, damit von diesem Gremium anschließend eine wirklich fundierte Entscheidung getroffen werden kann. Genau dieser Umstand wurde mir von Herrn Burger in seinem Leserbrief vom 16.12.2008 zur Last gelegt.

Der Bauausschuss stimmte am 4.12.2008 nach reiflicher Überle­gung mit 9 zu 2 Stimmen für den Ersatz der beiden Gebäude. Die beiden Gegenstimmen waren grundsätzlich gleicher Ansicht, fürchteten jedoch die Folgen eines Präzedenzfalles. Herr Burger schreibt in seinem Leserbrief vom 16.12.2008, dass dieser Termin absichtlich und taktisch geschickt kurz vor Weih­nachten gelegt wurde. Diese Aussage ist entgegen bessern Wis­sens und muss als Stimmungsmache gewertet werden. Fakt ist, dass die Bauvoranfrage in der 1. Jahreshälfte 2008 eingereicht wurde und die Verhandlungen bis Dezember 2008 dauerten

Herrn Burger ist als ehemaligem Stadtbaudirektor wohl bekannt, dass ein Bauherr auf die Termine des Bauausschusses keinen Einfluss hat.

Über die Fassadengestaltung wurden von Seiten des Bauherr-, schaff keinerlei Wünsche geäußert. Im Gegenteil wurde mehr­fach darauf hingewiesen, dass diese Gestaltung in Abstimmung mit der Stadt Lindau entwickelt werden soll. Die Stadt Lindau hat hierfür einen neutralen Gestaltungsbeirat benannt, mit dessen Hilfe ein Architektenwettbewerb mit namhaften Büros auf den   I Weg gebracht wird, um eine möglichst gute und verträgliche Gestaltung der Fassaden zu erzielen, die auch den Interessen der   / Nachbarn Rechnung trägt.

Unverständlicherweise wandte sich Herr Burger erst nach Beschluss des Bauausschusses gegen das Projekt, was seine Argu­mentation hochgradig unglaubwürdig, ja unehrlich erscheinen lässt.

Herr Burger beraumte für den 12.1.2009 ein Treffen Gleichge­sinnter an, wovon ich im Vorfeld Kenntnis erlangte. Ich ging dorthin und bat darum, innerhalb weniger Minuten unsere Sicht der Dinge darlegen zu dürfen, was mir von Herrn Burger und an­deren Teilnehmern brüsk und höchst unfreundlich verwehrt wurde. Dies obwohl aus der Mitte der Versammlung vernehmbar der Vorschlag kam, meinen Redebeitrag zuzulassen. Fürchteten die Anwesenden ihr Standpunkt könnte einer kritischen Prüfung nicht standhalten?

Ich stehe noch heute vor dem Rätsel des Sinneswandels von Herrn Burger und kann in der Sache nur noch einmal darauf hin­weisen, dass wir bestimmt nicht weniger als die Stadt größtes In­teresse an einer guten Gestaltung des Zwischenbaus, insbesonde­re der Fassaden auf der Seeseite und in der Ludwigstraße haben.

Dr.-Ing. Robert Stolze (LZ 15.1.2008)