Seidl bezeichnet Abriss als Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik

OB Seidl nennt Abriss "Erfolg" ihrer Wirtschaftpolitik
Dritter Anlauf: Seidl will weiter die Spur halten
Freie Bürger schicken die Amtsinhaberin für eine dritte Runde in den Oberbürgermeister-Wahlkampf
Die Freien Bürger wollen für OB Petra Seidl eine dritte Amtszeit. Vor mehr als 40 Interessierten freuen sich (von rechts) Fraktionschef Günther Brombeiß, Vereinsvorsitzender Martin Rupflin, OB Petra Seidl und Wahlleiter Heribert Hostenkamp. (Foto: dik)
Von Dirk Augustin

Lindau  Zügig haben die Freien Bürger Amtsinhaberin Petra Seidl für eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeisterin nominiert. Unter den mehr als 40 Interessierten im Restaurant am See waren 15 Mitglieder der Freien Bürger, die sich in geheimer Abstimmung einstimmig für Seidl ausgesprochen haben. Zuvor hatte Seidl etwa eine Stunde lang Erfolge der vergangenen zwölf Jahre hervorgehoben und kurz Ausblick auf das gehalten, was sie in den kommenden sechs Jahren erreichen will. Diskussionsbedarf hatten die Versammelten am Donnerstagabend nicht.

Dass Seidl gegen voraussichtlich vier Bewerber antreten will, lockte nicht nur Mitglieder. Denn es waren nur 15 Freie Bürger da, unter ihnen Bodolz‘ Ex-Bürgermeister Stephan Bock und Hotelier Robert Stolze. Auffällig war, dass auch CSUler – unter ihnen Stadträtin Hannelore Pontes – sich für den Auftritt der OB interessierten.
Ihre zweite Amtszeit fasste Seidl unter dem Motto „verlässlich die Spur gehalten“ zusammen. Sie sei sich treu geblieben, auch und gerade im Streit mit der CSU, von der sich Seidl im Januar losgesagt hatte, so dass ihr „im letzten halben Jahr ein sehr kalter Ostwind entgegengeweht“ sei, wie sie es blumig formulierte. Als Erfolge hob Seidl den Kauf des Hafens und des früheren Hauptzollamts, den Stopp der Schuldenpolitik, Hochwasserschutz entlang der Ach, Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans, Sanierung und Erweiterung des Seniorenheims Reutin und Rettung des Evangelischen Hospitals auf der Insel hervor.
Familienzentrum in Reutin, Ganztagsangebot an der Reutiner Schule, Sanierung der Dreifachturnhalle, Klimaschutzkonzept, Stadtbus in eigener Regie, Parkleitsystem, Umzug von Stadtbücherei und Stadtarchiv in größere Räume, zehn Jahre Soziale Stadt Zech, Gewerbegebiet an der Autobahn für heimische und neu zugezogene Firmen und anderes zählte die OB zu ihren Erfolgen. Seidl nannte auch die Ansiedlung der Firma Kremler in Unterreitnau und den Abriss des Lieben Augustin als Erfolge ihrer Wirtschaftspolitik.
Seidl räumte ein, dass vieles länger gedauert habe, als sie und andere sich das gewünscht hätten. „Aber ich habe die ganze Zeit die Spur gehalten.“ Leider sei das nicht ohne Fehler abgegangen, gab die OB zu. Manches habe sie „vielleicht zu schnell“ durchgezogen und dabei vergessen, die Betroffenen einzubinden; „Bei manchen Projekten hätte die Kommunikation besser sein können.“ Indirekt bezog sie sich auf den Drehleiterstreit, der am Ende zum Massenaustritt von Feuerwehrleuten geführt hatte. „Vielleicht hat man zu wenig gesprochen miteinander.“ Das tue ihr heute leid.
Für die Zukunft will sie „klug die Weichen stellen“ und dabei vor allem die Lindauer noch mehr einbinden. Über Bürgersprechstunden hinaus kann sie sich auch in anderen Stadtteilen Bürgerforen nach dem Vorbild in Zech vorstellen. Die Übertragung der Stadtratssitzungen ins Internet könnten für mehr Transparenz sorgen. Denkbar seien auch Chats, bei denen Räte und OB die Beschlüsse erläutern.
In der Finanzpolitik will sie Schulden abbauen. „Da müssen wir auch den Mut haben, auch eine Steuererhöhung anzusprechen“, damit sich Lindau „dringende Projekte“ wie die neue Feuerwache leisten kann. Schaffung neuer Krippenplätze, Schulsanierungen, Neuausrichtung von Kultur und Stadtmarketing sowie Tourismus und Tagungsgeschäft, Erweiterung des Gewerbgebiets an der Autobahn und Ansiedlung von Betrieben im Lehrgut Priel, Wohnungsbau im Oberen Rotmoos, Bau der Unterführung Langenweg sowie die Kombilösung in Sachen Bahnhof mittels Bürgerentscheid nannte Seidl als weitere Ziele. Und auf Nachfrage von Manfred Biesinger, was sie gegen den schlechten Ruf des Bauamts tun wolle, sprach Seidl davon, dass sie das Modell Bürgerbüro auf übertragen wolle, so dass Bürger zumindest im Regelfall schnell Auskunft aus einer Hand bekommen.
zurück zur Hauptseite