Abgerissene Gebäude

Dass man in Lindau auch in der Vergangenheit mit historischen Gebäuden nicht immer zimperlich umging, zeigen die folgenden Beispiele aus den letzten 50 Jahren. Unbegreiflich (oder auch nicht) erscheint aus heutiger Sicht das Verhalten der damals Verantwortlichen in Verwaltung, Rat und Denkmalschutz.
Wir bemühen uns zur Zeit, noch fehlende Daten und Bilder zu den betreffenden Gebäuden zu finden.

Die Lotzbeck-Villa am Heckenweg in Lindau-Aeschach


Die ehemalige Villa Lotzbeck am Heckenweg

Die 1821 erbaute, schlossartige Villa lag inmitten eines ausgedehnten Parks, der sich vom Heckenweg bis zum Seeufer erstreckte. Dort gab es ein hölzernes Badehaus auf Pfählen.
Die Villa samt Nebengebäuden und Badehaus wurde 1970 von Bau-Spekulanten abgerissen, um Platz zu schaffen für einen monströsen Betonbau, der heute Eigentumswohnungen und ein Hotel beherbergt.

Die Villa Sautier in Schachen


Villa_Sautier_2_klein.jpg
Den ursprünglichen Bau zeigt die Lithografie in Harrers „Architektonischem Album“.
Leider konnten wir zu diesem Gebäude keine Fotografie mehr finden.
Auf dem Katasterplan von 1837 ist das Gelände an der Schachener Straße „Spiegler“ benannt, woher der Beiname der Villa „Zum Spiegler“ herrührt. In den 60 er Jahren des 19. Jahrhunderts verbrachte hier Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst die Sommermonate. Aus den Reiseführern erfährt man, dass sich die Villa im Besitz der Familie Hohenlohe-Ysenburg  befand. 1881 kaufte der Musiker und Dirgent Josef Sautier die Villa. Im Familienbesitz bis nach dem Zweiten Weltkrieg, erwarb sie 1959 Felix Wankel, 1964 kaufte sie die Firma Südgrund in Lindau, die die Villa abreißen und durch zwei Wohnblöcke mit 22 Wohneinheiten ersetzen wollte. Nach einjährigem Rechtsstreit wurde die Villa Sautier abgerissen, der Park in elf Parzellen aufgeteilt und in den folgenden Jahren mit Einfamilienhäusern bebaut. Die Villa befand sich in etwa auf dem heutigen Grundstück Schachener Str. 69.

Die Villa Amsee


Lithographie_Villa_Amsee.jpg
Leider konnten wir auch hier keine Fotografie der Villa mehr auftreiben. Aber vielleicht gibt diese Lithographie aus der Zeit um 1850 das Ambiente der ehemals königlichen Villa am besten wieder.
Am Ufer Reutins erwarb Prinzregent Luitpold, der damalige Prinz von Bayern, 1848 ein Grundstück aus dem Besitz des Freiherrn von Pöllnitz. 1849 wurde der Bau bezogen und mit einem Fest eingeweiht, zu dem auch der König Maximilian II. und seine Frau Maria kamen. Die Villa blieb über Jahrzehnte Feriendomizil und somit Anziehungspunkt für Angehörige und Freunde des Wittelsbacher Königshauses. Die letzten ständigen Bewohner der Villa waren der Herzog und die Herzogin von Calabrien, bevor sie als Wittelsbacher Privatbesitz an Eleonore von Waldburg-Zeil, eine geborene Prinzessin von Bayern kam. Das Gebäude diente in seinen letzten Jahren als Gastarbeiterunterkunft und zeitweilig als Gaststätte. 1981 unter Denkmalschutz gestellt, bleibt der Abriss der Villa 1982 unbegreiflich. In den 80er Jahren dieses Jahrhunderts wurde von skrupellosen Investoren eine Appartementanlage an Stelle der Villa Amsee errichtet. 1986 lautet das späte Lamento der Denkmalpflege wie folgt: „Trotz Wiederaufnahme des Grundriss-Typus der Dreiflügelanlage, trotz allgemeiner Nachahmung des Baukörpers, trotz historisierender Einzelelemente bedeutet das scheinbar rücksichtsvolle Bauherrenmodell das punktuelle Ende der Villenlandschaft: das neue Haus tritt in keine Verbindung mehr zu den noch erhaltenen ehemaligen Nebengebäuden und benachbarten Villen; es reduziert sein Wirken auf sich selbst, ohne dass ihm eigene Qualitäten zukämen."

Das Aeschacher Rathaus


Das ehemalige Aeschacher Rathaus
Das ehemalige Aeschacher Rathaus (1899 erbaut) stand in der Webergasse, gegenüber der Einfahrt zum Parkplatz des Edeka-Marktes. Es wurde in den 60-er Jahren abgerissen. An seiner Stelle steht nun ein phantasieloser Betonklotz. Ebenfalls abgerissen wurden in den 60er und 70er Jahren etliche Alt-Aeschacher Bauernhäuser am Langenweg und am heutigen Aeschacher Markt.

ehemaliges Schulhaus in Reutin

Die ehemalige Schule in Lindau-Reutin
Die "Alte Schule" im Stadtteil Reutin wurde entsprechend dem Willen einer Bauherrengemeinschaft abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das Gebäude stand zwar nicht unter Denkmalschutz, aber nachdem sich Widerstand u.a. von Seiten der Anwohner und des Pfarramtes gegen Größe und Form des Neubaus regte und sich auch der Bezirksheimatpfleger für den Erhalt eingesetzt hatte, wurde der Beschluss zunächst ausgesetzt, aber schließlich trotz der Proteste vollzogen. Das Gebäude war trotz (oder besser gesagt: wegen) seiner Schlichtheit integraler Bestandteil des ehemals dörflichen Zentrums von Reutin, das durch den Neubau in seinem Charakter empfindlich gestört wird.