19.01.2010 Schreiben der Aktionsgruppe an den Chefredakteuer der Lindauer Zeitung, Herrn Augustin
Betr: Abbruch der denkmalgeschützten Gebäude Ludwigstr. 27 u. 29 „Lieber Augustin“ in Lindau
Hier: Gesprächsergebnis v. 15.01.10
Bez.: Notiz LiZ v. 15.01.10 „Lb. Augustin muss warten“
Sehr geehrter Herr Augustin,
mit der Mitteilung „Lieber Augustin im Januar im Stadtrat“ in der LiZ v. 9.12.09 haben Sie die Lindauer Öffentlichkeit erneut auf die Thematik des geplanten Abbruchs der ehemaligen Gaststätte „Lb. Augustin“ hingewiesen. Das von der Aktionsgruppe am 11.12.09 angemahnte Gespräch wurde unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen vereinbart und fand am Freitag den 15.01.10 in den Räumen des Stadtbauamtes statt.
Absicht der drei Vertreter der Aktionsgruppe (Herbert Kuchenbäcker, Jakob Lingenhölin und Klaus Burger) war, sich über den Stand des Verfahrens informieren zu lassen. Vor allem interessierte sie, inwieweit der aufgrund des Einschreitens der Bürgerinitiative gefasste Beschluss des Stadtrates vom Februar 2009 vollzogen wurde. Damals war die ursprünglich zugunsten des Abbruches formulierte Beschlussvorlage der Verwaltung dahingehend geändert worden, dass vor einer endgültigen Entscheidung vom Bauherrn der planerische Nachweis einer positiven Auseinandersetzung mit der erhaltenwerten Denkmalsubstanz erbracht werden muss.
Die erwartete Information über den Stand des Verfahrens erfolgte jedoch nicht, da Herr Dr. Stolze Frau OB Petra Seidl um Vertagung der Behandlung des Themas in der nächsten Stadtratssitzung Ende Januar gebeten hatte. Dies wurde erst mit der Mitteilung „Lieber Augustin muss warten“ in der LiZ vom 15.01.10 bekannt, also genau am gleichen Tag wie der anberaumte Gesprächstermin. Begründet wurde die Vertagung mit der Absicht von Herrn Dr. Stolze die Angelegenheit, also offenbar die geplante Vorlage der Verwaltung zur Stadtratssitzung, „durch einen fachkundigen Anwalt zur Wahrnehmung seiner Interessen prüfen zu lassen“. Ein Schelm, der Arges dabei denkt!
Laut Aussage der Herren der Verwaltung wäre die Information von Dritten ein unberechtigter Eingriff in ein laufendes Verfahren. Deshalb musste diese Handhabung von den Vertretern der Aktionsgruppe akzeptiert werden. Es entsteht jedoch die Befürchtung, daß Herrn Dr. Stolze von der Stadtverwaltung erneut eine Sonderbehandlung eingeräumt wird. Obwohl von den Herren der Bauverwaltung bestätigt wurde, dass der Beschluss des Stadtrates vollständig beachtet wurde, bleibt ein fader Beigeschmack übrig. Da dieser Prozess der Abstimmung mit den Belangen des Denkmalschutzes nun schon fast ein Jahr dauert, drängt sich der Verdacht auf, dass durch die Einschaltung eines weiteren Anwalts erneut Einfluss auf Verwaltung und Stadtrat genommen werden soll, so wie dies schon von Beginn des Verfahrens an festgestellt werden musste.
Trotz des wenig konkreten Gesprächsergebnisses nahmen die Vertreter der Aktionsgruppe jedoch die Gewissheit mit, dass das Eingreifen der Bürgeraktion vor über einem Jahr eine Neubewertung des Stellenwertes des Denkmalschutzes nicht nur in diesem speziellen Fall in Lindau, sondern in ganz Bayern beeinflusst hat (siehe www.rettet-den-lieben-augustin.de). Es bleibt zu hoffen, dass dieser Wandel auch in Verbindung mit dem Abbruchantrag für den „Lieben Augustin“ in den Köpfen der Lindauer Stadträte eintritt. Von dem Angebot eines Informationsgespräches zwischen den Stadtrats-Fraktionen und Vertretern der Bürgerinitiative haben nämlich nur zwei, die der Bunten Liste und der SPD Gebrauch gemacht. Die große Mehrheit der drei anderen Fraktionen fand die Einladung zu einem Dialog erst gar nicht einer Antwort wert.
Als Ergebnis des Gesprächs wurde vereinbart, dass die Vertreter der „Aktionsgruppe Rettet den lieben Augustin“ rechtzeitig vor der Stadtratssitzung, in der die Angelegenheit beraten werden soll, in einem weiteren Gespräch von der geplanten Beschlussvorlage informiert werden.
Mit freundlichen Grüßen!
K. Burger
Sprecher der Aktionsgruppe
Verteiler:
Stadtbauamt Lindau
BLfD München
Bezirk Schwaben
Bayr. Landesverein f. Heimatpfl.